Morbus Bechterew und die Möglichkeiten mit der Feldenkrais-Methode

Für Morbus-Bechterew-Erkrankte werden heute sehr viele hilfreiche Empfehlungen zur aufrechten Haltung und Beweglichkeit gegeben, z.B. auf der Website der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V., in Faltblättern, Broschüren, Büchern usw. Das ist sehr wertvoll und stark nach vorn gebeugte Menschen sind im Straßenbild, wie noch in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts, nicht mehr zu sehen.

Ja, UND ich sehe noch Potentiale für die Empfehlungen die mit der Feldenkrais-Methode bedient werden können:

  1.   O.g. Empfehlungen sind vorwiegend von einer statischen Denkweise geprägt, auch wenn es um Bewegung geht. Ich empfehle die dynamische Denkweise auch wenn es um Haltung geht.
  2. Der Körpersinn der Tiefensensibilität wird dabei nur unbewusst genutzt. Und oftmals wissen die Betroffenen auch nicht bewusst, dass ihnen solch ein Körpersinn als Feedback für ihre Bewegungen zur Verfügung steht.

Zu 1. Eine gute Haltung ist das Ergebnis aller möglichen Bewegungen ohne Anstrengung. D.h., wenn ich eine gute Haltung habe, habe ich eine große Vielfalt von Bewegungsmöglichkeiten. Das sind Bewegungen in unbewusster Kompetenz*  in alle Richtungen mit meinem Muskel-Skelett-System.

Zu 2. Der Körpersinn der Tiefensensibilität sagt mir,

  • wo ich jetzt zur Zeit der Wahrnehmung meine einzelnen Körperteile im Raum, in Bezug zur Erde
  • und in Bezug zu den anderen Teilen meines Körpers halte oder/und bewege
  • und in welchem Spannungszustand meine Körperteile sind.

Diese Wahrnehmung kann jeder Mensch trainieren und mit diesen Erfahrungen seine Bewegungsgewohnheiten, die die Haltung ausmachen, verändern. Fast nebenbei erhalten Sie Ihre Bewegungsmöglichkeiten und fügen Bewegungsmöglichkeiten hinzu, die Sie nicht für möglich hielten.   Wenn Sie lernen, sich bewusst über den  Körpersinn der Tiefensensibilität wahrzunehmen, werden Sie sich und Ihren Körper in Ruhe und Bewegung differenzierter, genauer wahrnehmen als bisher.

Diese beiden Potentiale können Sie in der Bewegung und Wahrnehmung mit der Feldenkrais-Methode lernen zu nutzen.

*Bewegen in unbewusster Kompetenz heißt, „Ich kann es automatisch, mache es fließend ohne darüber nachzudenken. Dies geht auf die Einteilung des Lernprozesses in 4 Phasen zurück:

  1. unbewusste Inkompetenz: Ich weiß nicht, dass ich es nicht kann, es existiert nicht in meiner Erfahrung
  2. bewusste Inkompetenz: Ich weiß, dass ich es nicht kann, ich weiß, dass es möglich ist.
  3. bewusste Kompetenz: Ich übe es bewusst und absichtlich, solange ich es aufmerksam tue, kann ich e
  4. unbewusste Kompetenz: Es geht automatisch, ich mache es fließend

Dieses 4 Phasenmodell ist im Laufe der Jahrtausende durch viele Menschen entwickelt und weiter entwickelt worden, angefangen bei Sokrates und Konfuzius bis zur heutigen Zeit.

Wichtig an diesem Modell finde ich, ist die Unterscheidung in bewusste und unbewusste Qualitäten. Denn ich kann mich nicht „gerade“ hinsetzen oder stellen, wenn mein unbewusster Teil meines Zentralnervensystems (ZNS) mich wieder „krumm“ macht. Und genau diesen unbewussten Teil können wir mit der Feldenkrais-Methode bewusster machen und damit auch nach und nach verändern.

Dass die Krankheit Morbus Bechterew  die Tendenz hat, Sie immer wieder in gebeugte Haltung zu ziehen und Sie das wissen, entspricht der bewussten Inkompetenz,  der 2. Phase des Lernprozesses. Der 3. Phase würde entsprechen: Wenn Sie daran denken können Sie sich aufrecht halten. Denken Sie aber etwas Anderes, z.B. während des Arbeitsalltags, dann zieht Sie ihr Zentralnervensystem in die Gewohnheitshaltung zurück, weil diese aufrechte Haltung noch nicht automatisiert als unbewusste Kompetenz in Ihrem ZNS abgespeichert ist.

Und Sie wünschen sich vermutlich die aufrechte Haltung in die unbewusste Kompetenz, damit Sie nicht permanent mit Ihren Gedanken bei Ihrer Haltung sein müssen oder sich müheloser aufrichten können.

 

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